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  • Axel Witzgall

Wenn Sie jeden Morgen Angst vor dem Tag haben

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Ängste und Sorgen gehören zum Leben dazu und haben prinzipiell eine sinnvolle und wichtige Funktion.


Frau wacht morgens ängstlich auf

Wenn Sie aber bereits seit einiger Zeit gerade morgens schon ängstlich in den Tag starten oder vor Sorgen gar nicht aus dem Bett kommen, sollten Sie etwas unternehmen. Auch wenn es schwerfällt! Doch dazu müssen wir erst einmal die Funktion der zu Grunde liegenden Ängste verstehen.


Inhalt

  1. Warum ist es gut, Angst zu haben?

  2. Ängste verstehen und bewältigen

  3. Was kann die Angst am Morgen bedeuten?

  4. Was kann ich gegen Morgenangst tun?

 

1. Warum ist es gut, Angst zu haben?


Wenn Sie Ihre Ängste verstehen und bewältigen wollen, ist es zunächst wichtig, dass Sie deren eigentliche Funktion kennen. Gerade wenn Sie jeden Morgen Angst vor dem Tag haben, hat sich diese verselbständigt und es könnte sich um eine chronische Phobie oder eine generalisierte Angststörung handeln. Doch keine Sorge: So schlimm diese „Krankheiten“ auch klingen, es handelt sich um einen Fehlalarm Ihres Organismus, der sich gut behandeln lässt.


Aber erst einmal zu den Grundlagen und dem Nutzen hinter der Angst: ​


Wenn wir auf unbekannte oder bedrohlich wirkende Situationen angespannt reagieren, ist das ein natürlicher Schutzmechanismus, der weder bedenklich noch gefährlich ist. Selbst Panik kann in extremen Situationen das eigene Leben retten und ist somit eine sinnvolle und wichtige Reaktion. Panik ist also nichts anderes als Angst mit besonders ausgeprägten Symptomen.


Angstempfinden ist eine sehr starke Emotion, verbunden mit der Ausschüttung von Hormonen und blitzschneller Bereitstellung von Energie im Körper. Diese Prozesse werden in einem schon recht alten Teil des menschlichen Gehirns ausgelöst, dem Limbischen System.



Stressmuster-Analyse im persönlichen Kennenlern-Gespräch

Angst hat uns früher vor echten Gefahren beschützt


Vor vielen tausend Jahren, als der Mensch noch nicht in Häusern oder Wohnungen gelebt hat und seine Nahrung sicher im Supermarkt kaufen konnte, sicherte ein schnell reagierender Angstmechanismus das Überleben in kritischen Situationen durch unwillkürliches Handeln, zum Beispiel beim Antreffen eines Säbelzahntigers in der Wildnis.


In unserer heutigen Zeit gibt es jedoch nur noch selten wirklich lebensbedrohliche Situationen. Trotzdem empfinden viele Menschen häufig Angst und starke innere Unruhe und leiden unter wiederkehrenden Panikattacken. Wenn also die Angst zum Selbstläufer wird - oftmals ohne erkennbaren Anlass - dann spricht man von einer Angststörung.



2. Ängste verstehen und bewältigen


Ängste haben allerdings auch im Fall einer Störung oder Phobie eine wichtige Funktion. Man könnte sagen, dass Psyche und Körper uns durch ihre Angstsymptome etwas mitteilen wollen. Früher wie auch heute gilt demnach, dass wir beim Erleben von Angst und Panik Handlungsbedarf haben.


Heutzutage allerdings müssen wir noch selten unmittelbar und blitzschnell, sondern eher gut überlegt und mit einer gewissen Gelassenheit reagieren. Im Wort „Gelassenheit“ steckt im Übrigen eine wichtige Strategie, nämlich das „Seinlassen“ oder „Weglassen“ gewisser Verhaltens- und Gedankenmuster. (Das ist auch der Hintergrund, dass meine psychologische Praxis "Serenidad" heißt - das spanische Wort für Gelassenheit.) Angst sollten wir deshalb im positiven Sinn als unser Warnsystem begreifen. Das gilt auch heute noch.


Fassen wir also zusammen, dass Ängste bloß körperliche Reaktionen aufgrund eines Urinstinkts sind und keinesfalls gefährlich. Menschen mit Angst- oder Panikstörungen fühlen sich zwar stark eingeschränkt und meistens sehr erschöpft, sie brauchen sich jedoch erst einmal nicht darum zu Sorgen, dass der Angstzustand an sich krank macht.



3. Was kann die Angst am Morgen bedeuten?


In der Nacht regeneriert der Körper und auch die Psyche, Eindrücke vom Vortag werden verarbeitet und der ganze Organismus quasi zurückgesetzt für den neuen Tag. Das nennt man Psychohygiene. Wenn man schläft, denkt man nicht bewusst über Dinge nach, sodass auch Ängste und Sorgen Pause haben.


Beim Aufwachen dann aber kommen bei Betroffenen innerhalb von wenigen Sekunden die negativen Gefühle des Vortags wieder in den Sinn. Sie malen sich aus, was Ihnen heute bevorsteht: Ein Tag wie gestern, voller Anspannung und Grübeleien. Und diese Erkenntnis schlägt ein wie der Blitz und die pauschale Angst vor dem bevorstehenden Tag ist wieder da.


Ich selbst habe während meiner generalisierten Angststörung vor einigen Jahren dieses ungewollte „Aufwach-Ritual“ immer und immer wieder erlebt. Klientinnen und Klienten in meinem Coaching erzählen genau diese Erlebnisse. Und bei fast allen ist der Abend hingehen eher entspannt, wenn Ruhe einkehrt und die Nacht bevorsteht, in der (bis auf gelegentliche Panikattacken) nicht viel passieren kann.



Die Angst vor der Angst


Morgens ist unser Geist (die Gedanken) noch recht frisch. Da wir aber – aufgrund der zuvor beschriebenen Tendenz, Gefahren möglichst früh erkennen zu wollen – blitzschnell den bevorstehenden Tag durchgehen, entwickeln wir morgens eine gerne Erwartungsangst, die auch Angst vor der Angst genannt wird.


Das heißt, ohne jede wirklich vorliegende Gefahr, sind wir bereits im Bett schon voller Sorge, dass der Tagesverlauf wieder so unangenehm wird, wie wir ihn bereits kennen. Und dadurch kommt der Teufelskreis wieder in Gang, oder auch die selbsterfüllende Prophezeiung: Der Tag verläuft meist wirklich wieder sehr angespannt und unangenehm. Am Abend fühlen wir uns in den Sorgen bestätigt und sind froh, wenn uns die Nacht mal nicht nachdenken lässt.


​4. Was kann ich gegen Morgenangst tun?


Angstzustände und Panikstörungen sind nicht wie Erkältungen, die nach zwei Wochen von selbst verschwinden. Sie dauern länger, sind unangenehmer! Aber sie sind nicht gefährlich, und sie gehen vorbei! Aber wie bei so vielem, Ängste verschwinden auch erst dann, wenn wir sie nicht mehr als Gefahr betrachten, sondern zunächst einmal als eine Phase oder Krise begreifen, die nun einmal da ist. Weshalb und wie lange noch, spielt keine Rolle.

Stressmuster-Analyse im persönlichen Kennenlern-Gespräch

Ja, ich weiß, das klingt zunächst wenig hilfreich. Aber die Angstbewältigung ist kompliziert und sie ist paradox: Je mehr ich etwas dagegen unternehmen möchte, desto stärker bleibt sie bei mir. Meine Coachees verlangen immer wieder von mir konkrete Tipps und Verhaltensweisen, um nicht den ganzen Tag in einer Angststarre zu verharren. Natürlich helfe ich ihnen auch mit akuten Maßnahmen, aber der eigentlich genesende Effekt tritt erst nach einiger Zeit auf, und dieser kommt dann meist ganz unerwartet.



Holen Sie sich Hilfe!

Falls Sie es noch nicht getan haben, teilen Sie sich jemandem mit, der Sie versteht. Es gibt so viele Menschen, die Ähnliches erlebt haben, viel mehr als Sie denken. Idealerweise steht Ihnen jemand zur Seite, der eine Angststörung oder einen Burnout bereits bewältigt hat.


Wenn Sie möchten, können Sie sich gerne an mich wenden. Ich habe mit hunderten wunderbaren Menschen gesprochen, die selbst nicht mehr weiterwussten. Und ich habe diese Phasen auch durchlebt. Deshalb biete ich ein grundsätzlich kostenloses und unverbindliches Kennenlern-Gespräch an, das allein schon Vielen weitergeholfen hat.



 

Über den Autor dieses Artikels

Axel Witzgall | Geprüfter Psychologischer Berater & ehemals selbst Betroffener
Axel Witzgall | Geprüfter Psychologischer Berater (ALH)

Als dreifacher Familienvater, hauptberuflich in der Technologiebranche, coache ich mitten aus dem Leben mit all seinen täglichen Herausforderungen, und nicht ausschließlich aus dem Lehrbuch. Die Grundlagen meiner Beratung bilden, neben der eigenen Erfahrung, mein Psychologie-Studium an der ALH-Akademie in Köln sowie Weiterbildungen als Achtsamkeits- und Meditationstrainer und in der Positiven Psychologie.


Vor einigen Jahren litt ich selbst an einem Burnout und einer generalisierten Angststörung. Das war ausschlaggebend für mein anschließendes Psychologie-Studium und meine Vision, anderen Menschen zu helfen und meine Praxis "Serenidad" (aus dem Spanischen: Gelassenheit) im Rhein-Sieg-Kreis nahe Köln/Bonn zu gründen.

Durch diese persönlichen Erfahrungen und hunderten Gesprächen, als Berater, aber auch früher als Patient, weiß ich - anders als viele Therapeuten und Ärzte - wie sich diese Lebenskrisen anfühlen, was man in den Zeiten braucht und was langfristig wirklich hilft.






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