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  • Axel Witzgall

Wie entstehen eigentlich Ängste?

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Jeder von uns hat Ängste und sie sind meistens unangenehm, beschützen uns aber manchmal vor Leichtsinn und Gefahren.


Angst entsteht in den Augen einer Frau

Doch was genau passiert in unserem Organismus, wenn unser Alarm angeht? In diesem Artikel kläre ich auf, wie Ängste und auch Angststörungen entstehen und weshalb sie alle Menschen etwas anders empfinden.


Inhalt

  1. Einer der stärksten Automatismen

  2. Wie kommt es zu einer Angststörung?

  3. Faktor Genetik

  4. Faktor Psyche

  5. Faktor Neurobiologie

  6. Angst ist eine körperliche Stressreaktion

 

1. Einer der stärksten Automatismen


Angst ist eine uralte Funktion, die alle Tiere und Menschen haben. Dadurch, dass sie auch vor echten Gefahren wie dem Tod beschützt, hat sie eine enorme Macht. Mit unserem Verstand können wir sie daher oft nicht bewältigen, sondern müssen sie in den meisten Fällen einfach zulassen.


Stressmuster-Analyse im persönlichen Kennenlern-Gespräch

Die Angst entsteht immer plötzlich


Unbewusst scannen unsere Sinnesorgane den ganzen Tag lang die Umgebung sowie innere Vorgänge (z.B. Gedanken oder Schmerzen) nach potenziellen Gefahren. Diese Informationen werden ständig mit dem verglichen, was wir durch Erziehung und Erfahrung als „normal“ abgespeichert haben. Widerspricht ein Sinneseindruck dieser „Normliste“, wird augenblicklich eine körperliche Reaktion ausgelöst. Diese kann von der leichten Sorge, über stärkere Angst bis hin zur Panikattacke reichen.






Erziehung und Erfahrung sind ausschlaggebend


Diese vollkommen normale Reaktion ist bei jedem Menschen unterschiedlich, aber unabhängig vom sozialen Status und der Kultur. Als Neugeborenes ist die oben angesprochene „Normliste“ noch leer. Bereits hier gibt es allerdings gewisse Prägungen, die Ängste im Laufe des Lebens mehr oder weniger stark begünstigen können. Dazu komme ich in den folgenden Abschnitten noch detaillierter.


Durch die elterliche Erziehung sowie dem intensiven Kontakt zu anderen Bezugspersonen und die eigene Lebenserfahrung wird allerdings erst die Basis für das eigene Angst- und Stressempfinden sowie entsprechende Bewältigungsstrategien entwickelt.



Normale und krankhafte Ängste


Ängste sind grundsätzlich normal und unbedenklich – sofern sie nach kurzer Zeit wieder vergehen und das Leben nicht einschränken. Immer mehr Menschen leiden jedoch an einer krankhaften Angst, die sich in einer der Kategorien Phobie, generalisierte Angststörung oder Panikstörung wiederfindet.


Neben der Vermittlung erfolgreicher Bewältigungsstrategien gehört es auch zu meinem Anti-Stress-Coaching, zusammen mit meinen Klientinnen und Klienten den auslösenden Faktor zu ermitteln. Darauf gehe ich im nächsten Kapitel ein.



2. Wie kommt es zu einer Angststörung?


Über die Entstehung von Angststörungen gibt es zahlreiche Untersuchungen und Theorien, jedoch keine oder nur wenige gesicherte Erkenntnisse. Man unterscheidet zwischen erblichen, psychischen und neurobiologischen Faktoren, die Ängste begünstigen. Fest steht allerdings, dass Betroffene selbst nicht Schuld an ihrem Schicksal sind, sondern aufgrund mindestens einem dieser Faktoren zu erhöhter Ängstlichkeit neigen, unabhängig vom Charakter, der sozialen Stellung und der sonstigen Zufriedenheit bzw. Gesundheit im Leben.


In den meisten Fällen bricht eine Angststörung nach einem einschneidenden Ereignis oder einer Dauerbelastung aus, die manchmal auch erst einmal gar nicht bemerkt wird. Daher besteht ein enger Zusammenhang zwischen Stress und Angstzuständen.




3. Faktor Genetik


Es wird davon ausgegangen, dass ein gewisses Risiko bereits mit der Geburt eines Menschen vorhanden ist. Die sogenannte Epigenetik zeigt, dass gewisse genetische Grundbedingungen einem Baby bereits mitgegeben werden. So haben Kinder oder Enkelkinder von Menschen mit Angststörungen ein höheres Risiko, ebenfalls daran zu erkranken.


​4. Faktor Psyche


Die am besten untersuchte Ursache basiert auf dem lerntheoretischen Ansatz. Demnach entstehen Angsterkrankungen aufgrund der Lebensgeschichte, also durch Ereignisse in der eigenen Vergangenheit. Menschen mit einer traumatischen Kindheit, die missbraucht oder vernachlässigt wurden, neigen als Jugendlicher oder Erwachsener verstärkt zu psychischen Störungen.

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„Fehler“ in der Erziehung


Interessanterweise sind aber auch überbehütete Kinder dem Risiko ausgesetzt. Kinder, denen alle Entscheidungen abgenommen werden und die unangenehmen Erfahrungen immer aus dem Weg gehen, lernen nicht den gesunden Umgang mit Angst auslösenden Situationen. Es entsteht ein dauerhaftes Vermeidungsverhalten, das im Erwachsenenalter ein Nährboden für eine generalisierte Angststörung sein kann.

Zu den psychischen Faktoren zählen insbesondere belastende Lebensumstände, die fast jeder kennt. Dauerstress ist bekannt dafür, den Körper aus dem Gleichgewicht zu bringen und als Langzeiteffekt, wenn der Kortisolspiegel im Blut zu lange überhöht ist, Krankheiten wie eine Angststörung auszulösen.



5. Faktor Neurobiologie

Die Biochemie im menschlichen Gehirn spielt bei allen Angsterkrankungen eine wichtige Rolle. Informationen und auch Emotionen werden zwischen den Nervenzellen im synaptischen Spalt durch Botenstoffe (Neurotransmitter) übertragen. Dazu zählen beispielsweise das als Glückhormon bekannte Serotonin oder das Stresshormon Noradrenalin.



Homöostase


Das normale Gleichgewicht zwischen Anspannung und Entspannung (Homöostase) ist bei manchen Menschen chronisch gestört, so dass, im Fall von Angstzuständen, zu viele Informationen übermittelt werden. Gleichzeitig ist meistens der Serotonin-Haushalt zu gering bzw. wird von den Nervenzellen unzureichend aufgenommen, was auch bei Angstpatienten oft zu einem bedrückenden Gefühl führt, das mit einer Depression verwechselt werden kann.



6. Angst ist eine körperliche Stressreaktion

Diese Faktoren können in Wechselwirkung zueinander stehen. So kann beispielsweise Dauerstress den Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht bringen und im Endeffekt zu einer Unterversorgung mit Serotonin führen.


Die Entstehung von Angst läuft in ein bis zwei Phasen ab, bei denen nahezu der gesamte Körper mit einbezogen wird.



Die körperliche Stressreaktion in zwei Phasen
Quelle: Eigene Darstellung, nach Springer Verlag, Gelassen und sicher im Stress (2015)


Die „trockene Stressachse“


Auf eine angstauslösende Situation folgt blitzschnell die erste Phase der Stressreaktion, die über die sogenannte „trockene Stressachse“ läuft. Da unser Körper keine Zeit zu verlieren hat, werden Adrenalin und Noradrenalin ausgeschüttet und dadurch die Bereitschaft für Kampf oder Flucht hergestellt. Trocken heißt die Achse daher, weil die Botenstoffe über die Nervenbahnen fließen.


Ein Schreck oder eine normale angsterzeugende Situation wird damit bereits „bekämpft“. Der Körper beruhigt sich wieder und der Schreck ist bald vergessen.



Die „nasse Stressachse“


Sollte die „Gefahr“ jedoch noch nicht vorüber sein und die erste Phase erfolglos geblieben sein, hat der Körper noch eine stärkere Waffe an Bord: Er stellt sich auf einen längeren Kampf ein, der nicht so schnell gewonnen werden kann. Dadurch wird insbesondere das Stresshormon Kortisol der Nebennierenrinde in die Blutbahnen ausgeschüttet, das Betroffene durch einen längeren Anspannungszustand merken.


Sollte der Kortisolspiegel im Körper dauerhaft zu hoch werden, weil zum Beispiel immer wieder stressauslösende Situationen hinzukommen, dann sollten sich Betroffene Hilfe beim Arzt oder einem Psychologen holen.


Meine Aufgabe als psychologischer Coach ist es unter anderem, eine erste Einschätzung zu treffen, ob Klientinnen oder Klienten Stress im normalen Rahmen haben oder eventuell doch an einer Angststörung leiden, die behandelt werden muss. Wenn Sie Dauerstress verspüren und unsicher sind, melden Sie sich gerne bei mir für ein kostenloses Kennenlern-Gespräch.




 

Über den Autor dieses Artikels

Axel Witzgall | Geprüfter Psychologischer Berater & ehemals selbst Betroffener
Axel Witzgall | Geprüfter Psychologischer Berater (ALH)

Als dreifacher Familienvater, hauptberuflich in der Technologiebranche, coache ich mitten aus dem Leben mit all seinen täglichen Herausforderungen, und nicht ausschließlich aus dem Lehrbuch. Die Grundlagen meiner Beratung bilden, neben der eigenen Erfahrung, mein Psychologie-Studium an der ALH-Akademie in Köln sowie Weiterbildungen als Achtsamkeits- und Meditationstrainer und in der Positiven Psychologie.


Vor einigen Jahren litt ich selbst an einem Burnout und einer generalisierten Angststörung. Das war ausschlaggebend für mein anschließendes Psychologie-Studium und meine Vision, anderen Menschen zu helfen und meine Praxis "Serenidad" (aus dem Spanischen: Gelassenheit) im Rhein-Sieg-Kreis nahe Köln/Bonn zu gründen.

Durch diese persönlichen Erfahrungen und hunderten Gesprächen, als Berater, aber auch früher als Patient, weiß ich - anders als viele Therapeuten und Ärzte - wie sich diese Lebenskrisen anfühlen, was man in den Zeiten braucht und was langfristig wirklich hilft.






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